
Am 10. September 2026 füllten Vertreter von Marken, Händlern und Branchenverbänden das Hamburger Büro von Front Row anlässlich der 14. Ausgabe des DIY E-Commerce & AI Day.
Gemeinsam mit dem Herstellerverband Haus & Garten, dem Industrieverband Garten und dem ECC Köln organisiert, war der Tag dicht getaktet: In zehn Sessions ging es um alles von Marktplatzstrategien bis hin zu KI-gestütztem CRM.
DIY-Markt 2027: Konsumflaute und erste echte Erfolge mit KI
Kai Hudetz, Gründer des ECC Köln und Geschäftsführer des IFH Köln, eröffnete den Tag, indem er das Spannungsfeld benannte, mit dem derzeit jede DIY- und Gartenmarke konfrontiert ist: Die Konsumausgaben in dieser Kategorie entwickeln sich schleppend, gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz zunehmend, wie Produkte entdeckt und gekauft werden. Das ist kein Zukunftsszenario, sondern prägt bereits heute das Such- und Einkaufsverhalten.
Seine Einordnung gab die Richtung für den weiteren Tag vor. Die Referenten bewegten sich dabei stets zwischen zwei Fragen: Wie können Marken ihr Geschäft in einem stagnierenden Markt schützen, und wie bereiten sie sich gleichzeitig auf eine KI-getriebene Nachfrage vor?




Die Kontrolle über Marktplätze spaltet sich in zwei Lager, und manche Kunden kaufen gar nicht mehr selbst ein
Marc Sonnemann von edding beleuchtete in seiner Session „Game of Zones“ die klassische Frage der Marktplatzsteuerung. Dabei verglich er die zentrale und dezentrale Kontrolle internationaler Marktplatzaktivitäten. Diese Entscheidung beeinflusst sowohl die Preiskonsistenz als auch die Qualität der Inhalte. Zudem bestimmt sie, wie schnell eine Marke auf Entwicklungen in den einzelnen Märkten reagieren kann.
Valentin Hauß, Gründer und CEO von COM.Create, stellte anschließend eine noch grundlegendere Frage: Welche Zukunft haben Marktplätze überhaupt, wenn KI-Systeme beginnen, Kaufentscheidungen zu treffen?
In Ronny Marx' Session zum agentenbasierten Commerce wurde diese Frage konkret. Im Mittelpunkt stand, wie Marken Kunden erreichen, die nicht mehr selbst suchen und klicken, sondern diese Aufgabe an einen KI-Agenten delegieren und schließlich an sie verkaufen können.
Florian Knieß, Mitgründer sowie CRO und CMO von Aybee, hielt eine Präsentation zur verborgenen Customer Journey auf Amazon und übertrug die Diskussion so auf die Besonderheiten der Branche. Er zeigte, wie sich ein spontaner Kaufimpuls in einer Kategorie, in der viele Kunden stöbern, ohne bereits ein konkretes Produkt im Sinn zu haben, zur Kaufentscheidung entwickelt.
Traditionelle Hersteller beweisen, dass sie ihre digitale Zukunft selbst gestalten können
Tamer Memis, Geschäftsführer von Neudorff ePerformances, präsentierte eine der direktesten Transformationsgeschichten des Tages. Er beschrieb, wie sich ein traditioneller Hersteller zu einem digitalen Herausforderer entwickelt hat, statt abzuwarten, bis ein solcher Wettbewerber das eigene Geschäft unter Druck setzt.
Später am Nachmittag zeigten Daniel Aldinger und Yannik Weiler von BAUHAUS Deutschland die Perspektive des Handels auf denselben Wandel. Sie erklärten, wie der BAUHAUS-Marktplatz Marken neue Wege eröffnet, Kunden direkt über einen etablierten Handelspartner zu erreichen, statt ausschließlich über die eigenen Kanäle zu verkaufen.
KI wird bei Keyword-Recherche, CRM, Content-Produktion und Streaming-TV vom Schlagwort zum Werkzeugkasten
In den Sessions am Nachmittag entwickelte sich KI endgültig vom Gesprächsthema zu einem konkreten Werkzeug. Christopher Lege, Senior Principal Software Engineer bei Catapult, stellte einen systematischen Ansatz für die Keyword-Recherche auf Amazon vor. Er zeigte Marken, wie sie wirklich relevante Suchbegriffe von irrelevanten Ergebnissen unterscheiden und tatsächliche Wettbewerber identifizieren können, anstatt sich auf bloße Vermutungen zu verlassen.
Rainer Schuller von GRADION stellte eine Annahme infrage, die viele Marken seit Jahren nicht mehr hinterfragt haben: Brauchen Kundenbeziehungen tatsächlich noch eine eigene SaaS-Plattform, wenn KI einen Großteil der Aufgaben übernehmen kann, für die CRM-Systeme ursprünglich entwickelt wurden?
Anschließend zeigten Janine Hummel und Jan Meißner von Front Row in einer Session den Weg zum D2C-Shop auf. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI-gestützte Produktion den Einstieg in digitale Kontaktpunkte für Marken verändert, die bislang noch keine direkten Vertriebskanäle aufgebaut haben.
Sascha Jansen von Front Row schloss den Toolkit-Themenblock mit einem Blick auf Streaming-TV als aufkommende Chance speziell für die DIY-Branche ab. Dieser Kanal wurde von den meisten DIY-Marken bislang noch nicht in größerem Umfang getestet.




Der Tag endete mit einer gemeinsamen Einschätzung zur Zukunft der Branche
Norbert Lindemann, Geschäftsführer des Herstellerverbands Haus & Garten, und René Groll, Senior Principal Business Development Manager bei Front Row, hatten den Tag am Morgen gemeinsam eröffnet. In der abschließenden Session kehrten sie noch einmal auf die Bühne zurück, um die wichtigsten Erkenntnisse des Tages zusammenzuführen.
Über alle zehn Sessions hinweg zeigte sich ein klares Muster: DIY- und Gartenmarken müssen sich gleichzeitig in einem stagnierenden Konsummarkt behaupten und auf einen echten Wandel hin zu einem zunehmend von KI beeinflussten Einkaufsverhalten einstellen. Referenten aus den Bereichen Marktplätze, Handel und Technologie kreisten dabei immer wieder um dieselbe grundlegende Frage: Wie schnell kann sich eine Marke darauf einstellen, wie Kunden zunehmend einkaufen?
Ein Tag, der in Erinnerung bleibt
Neben den Sessions selbst fiel vor allem das Publikum auf. Gründer, Marktplatzmanager, Berater und Führungskräfte aus dem Handel aus der gesamten DIY- und Gartenbranche für einen Tag an einem Ort zusammenzubringen, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Gespräche in den Kaffeepausen und während der abschließenden Networking-Runde waren nach übereinstimmender Einschätzung mindestens ebenso wertvoll wie die Beiträge auf der Bühne.
So entstand eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der der Austausch zwischen den Sessions letztlich genauso wichtig war wie die Sessions selbst.



